Titan vs. Titan: The Clone Wars

Zwei Titan Extruder Clones im Vergleich

Wer nicht das Kleingeld fĂŒr den originalen E3D Titan Extruder ĂŒbrig hat, findet in den bekannten Fernost-Shops eine grĂ¶ĂŸere Auswahl alternativer Clones von mehr oder weniger bekannten Herstellern zu deutlich niedrigeren Preisen. Tevo hat fĂŒr seine Drucker einen eigenen Clone entwickelt, der auf dem Tornado und anderen Modellen standardmĂ€ĂŸig verwendet wird. Hunderprozentig zufrieden war ich mit diesem Extruder aber nicht, daher habe ich mir in China den Clone von Trianglelab bestellt, um die beiden miteinander zu vergleichen.

Recht schnell fallen im direkten Vergleich einige Unterschiede auf und wer sich schoneinmal das originale Vorbild aus UK angesehen hat, merkt schnell: Trianglelab ist wesentlich nĂ€her am Original. Der grĂ¶ĂŸte Unterschied liegt in den ZahnrĂ€dchen, die fĂŒr den eigentlichen Filamentvorschub sorgen. WĂ€hrend Tevo ein einfaches, gerades Zahnrad verwendet, nutzt Trianglelab ein Rad mit Konkav eingefrĂ€sten ZĂ€hnen, Hobbed Gear genannt – ebenso wie auch E3D beim Original. Dadurch wird die KontaktflĂ€che zum Filament etwas grĂ¶ĂŸer, was dann fĂŒr mehr Grip sorgt.

Links: Gerades Zahnrad, Rechts: Hobbed Gear

Ein weiterer Unterschied findet sich im Antrieb: WĂ€hrend bei Tevo ein Ritzel aus Plastik auf dem Steppermotor sitzt, wird beim Trianglelab Titan Extruder eines aus Metall verwendet.

FĂŒr den direkten Vergleich habe ich beide Extruder in ihre Einzelteile zerlegt. Hier zunĂ€chst der Tevo Titan:Die Kupplung fĂŒr den Bowdentube ist hier nicht mehr original. Normal kommt Tevos Extruder mit einer Pneumatikkupplung aus Metall, genau wie der Trianglelab Titan. Da diese bei mir aber ausgeleiert war, hatte ich sie gegen eine Kunststoffkupplung von E3D ersetzt. Ansonsten sind hier aber alle Teile zu sehen, die der Titan braucht und mit denen er geliefert wird (v.l.n.r.: Grundplatte, FilamentfĂŒhrung, Bowdenkupplung, Idlerhebel mit Spannfeder und Schraube, Deckel, Vorschubritzel und Antriebsritzel)

Zum direkten Vergleich, der Trianglelab Titan:Das Bild zeigt nur die gleichen Teile, wie beim Tevo Clone, also die, die ich fĂŒr den Betrieb verbaut habe. Mitgeliefert werden zusĂ€tzlich noch zwei weitere FilamentfĂŒhrungen (eine fĂŒr 3mm Filament und eine zweite, weiße fĂŒr 1,75mm, deren Sinn sich mir leider nicht erschließt) und außerdem ein zweiter Deckel (mehr dazu spĂ€ter).

Der erste Eindruck vom Trianglelab Extruder beim Auspacken und Zusammenbauen ist durchaus positiv. Alle Plastikteile sind im Spritzguss hergestellt, nichts ist gedruckt. Scharfe Kanten oder andere Materialfehler konnte ich keine finden, auch passten alle Teile auf Anhieb zusammen. Leider hat aber mein Deckel schon nach einem Tag sichtbare SprĂŒnge bekommen, offenbar durch den Druck der Schrauben, obwohl ich sie nicht zu fest angezogen habe.

Was aber schnell deutlich wird, ist, wie stark Trianglelab sich am Vorbild orientiert. Der Hinweis “Designed by E3D” auf dem Deckel ist dabei noch harmlos. Man wĂ€hnt sich so nah am Original, dass die Chinesen es nicht fĂŒr nötig gehalten haben, eine eigene Anleitung fĂŒr den Zusammenbau zu erstellen. Stattdessen liegt ein KĂ€rtchen mit dem Trianglelab Logo und einem Verweis zur E3D Dokumentation fĂŒr den originalen Titan Extruder bei.

Beinahe amĂŒsant wird es aber beim oben schon erwĂ€hnten Deckel. Wie gesagt liegen davon ja zwei bei. Bei einer kleinen Recherche auf Aliexpress findet man diesen auch separat als Ersatzteil inkl. der Information, dass es einen neuen Deckel aus einem geĂ€nderten Material gibt. Die BegrĂŒndung? DafĂŒr wird man abermals auf die E3D Website verwiesen. Die Briten hatten nĂ€mlich Anfang 2018 ein Problem mit ihren ursprĂŒnglich aus Polycarbonat hergestellten Deckeln entdeckt. Einige lösten sich nach einiger Zeit buchstĂ€blich auf. Schuld war der Schmierstoff in den verwendeten Kugellagern. Nach einiger Untersuchung des Problems wurden schließlich neue Deckel aus dem chemikalienresistenten Kunststoff Tritan gefertigt und kĂŒnftigen auf allen neuen Titans verwendet.

Offenbar sah auch Trianglelab dies zum Anlass seine Deckel zu wechseln – ob nötig oder nicht, weiß ich leider nicht. Jedenfalls liegen auch dem Clone ein Deckel aus Polycarbonat und aus Tritan bei. Die “neue” Version ist etwas klarer im Vergleich zum Polycarbonat, das leicht grĂ€ulich-gelb wirkt.

Tevo ist dagegen durchaus eigene Wege gegangen, wie schon beim eingangs erwĂ€hnten Filamentvorschub. Auch sonst wurde die Konstruktion etwas angepasst. Der Idlerhebel unterscheidet sich deutlich und sitzt außerdem auf einem kleinen Plastikpin auf der Grundplatte, die als Drehachse dient. Beim Trianglelab ĂŒbernimmt diese Funktion der Schaft des Steppers. Zur Einstellung der Vorspannung des Idlers nutzt Tevo keine Daumenschraube, sondern eine normale Innensechskantschraube. Leider liegt diese durch den Einbauort im Tornado so versteckt, dass sie kaum bis gar nicht mit ĂŒblichem Werkzeug zu erreichen ist. Zum Einstellen des Anpressdrucks mĂŒsste man also den Extruder ausbauen.

Die Firmware muss ĂŒbrigens bei einem Extruderwechsel in der Regel nicht angepasst werden. Insbesondere wenn man vom Titan Clone zu einem anderen Clone wechselt. Ich habe nach dem Umbau lediglich die E-Steps neu kalibriert, da der neue Extruder einges mehr an Filament befördert hat, als sein VorgĂ€nger.

Fazit

Wie sich der Trianglelab Titan Extruder schlĂ€gt, wird sich mit der Zeit zeigen. Nach ersten Tests habe ich aber ein gutes GefĂŒhl. So ist bei manuellem Vorschub der Tevo Extruder schonmal durchgerutscht, der Trianglelab beißt sich dagegen sicher ins Filament. Dadurch sind auch Bewegungen des Filaments genauer und kontrollierbarer, sowohl beim Extrudieren, als auch bei Retracts.

FĂŒr den Moment ist der Trianglelab Titan Extruder also eine klare Kaufempfehlung und ein sinnvolles, gĂŒnstiges Upgrade, im Vergleich zum Tevo. Ob das so bleibt, wird die Zeit zeigen. Ggf. poste ich hier dann ein Update dazu. NatĂŒrlich kann man auch etwas tiefer in die Tasche greifen und den originalen Titan von E3D kaufen, mit knapp 70€ kostet der aber auch 3,5 Mal so viel, wie der chinesische Clone.

Titan Extruder kaufen

4 Gedanken zu “Titan vs. Titan: The Clone Wars”

    1. Hi Sascha,
      du brauchst eine Möglichkeit um Gcode direkt an den Drucker zu senden, z.B. ĂŒber Octoprint, Pronterface, RepetierHost oder Simplify3D und dann musst du vor dem Extruder 12cm Filament abmessen und markieren. Per Gcode sagst du dem Drucker, dass er 10cm extrudieren soll. Wenn das fertig ist, misst man, wie viel tatsĂ€chlich durchgeschoben wurde und kann dann den nötigen Wert berechnen. Klingt komplizierter als es ist. Ich richte mich dabei immer gern nach dieser Anleitung: https://mattshub.com/2017/04/19/extruder-calibration/

  1. Hallo,
    auf der Suche nach dem optimalen Extruder bin ich auf den TriangleLab gestossen. Ich habe Probleme beim EinfÀdeln des Filamentes. Die Bohrungen im Filament Weg fluchten absolut nicht. Ist der Originale da besser (nicht geraten, sondern getestet)?

    1. Hallo Otto,

      mit dem originalen meinst du den E3D Titan? Kann ich dir leider nicht genau sagen, weil ich den noch nicht in den HĂ€nden hatte. Ich wĂŒrde aber davon ausgehen, dass der noch etwas feinere Toleranzen hat, als die Clone. Wobei ich bislang weder beim Tevo noch beim Trianglelab ein Problem mit dem EinfĂŒhren des Filaments hatte.
      Hast du mal probiert, das Ende vorne spitz anzuschneiden? Damit sollte es dann eigentlich keine Probleme mehr geben, das Filament auf den richtige Pfad zu bringen.

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